Samstag, 5. Januar 2019

Unsere sexuellen Wunden

Eine sehr lange Zeit in meinem Leben habe ich mich sehr geborgen bei den Männern gefühlt. Nein, nicht als Frau, sondern als Gleichberechtigte, halt in einem weiblichen Körper, Es gab keine sexuelle Anziehung zwischen mir und ihnen, weil ich auch mich entsprechend männlich verhalten hatte und keine weiblichen Signale ausgeströmt hatte. Ich habe Klartext gesprochen, ich hatte belächelt alle, die sich beschwerten (selber schuld, stehe doch auf und mach das anders). So eine heilsame, klare Männerwelt ohne Kriege, ganz im Frieden und in der Wahrheit, Solidarität mit einander. Sie hatte mir sehr imponiert. Der einzige Hacken an der Sache war, dass ich von den Frauen dadurch abgeschnitten war. Ich hatte als Kind und junge Frau die Frauenwelt als gefährlich wahrgenommen: Intrigen, Konkurrenz, Schmerzen.  Zu Recht, denn zu dem Zeitpunkt war meine Seele noch nicht reif, mich mit dem ganzen Schmerzen des Weiblichen auseinanderzusetzen und für die Weisheit dieser Lehren.

Nach und nach erlaube ich mir in das Weibliche Stück für Stück rein zu fühlen. In die weiblichen Schicksale in meiner Familie. In mein eigenes weibliches Schicksal. Kürzlich hörte ich in der Sauna zufällig einen Teil eines Gespräches in einer Männergruppe. "Wir sollten das nächste Mal irgendwie noch ein paar schöne, junge Mädels auftreiben. So fürs Auge! Psssst, da kommen die Frauen". Und die Frauen, die da kamen, waren aus meiner Sicht, sehr schöne Frauen.

Ich spürte in den Schmerzen meiner Oma hinein, die in der Zeit kurz vorm Sterben über ihren Schmerz ausgepackt hatte: "Der Opa hatte immer wieder Verhältnisse mit anderen Frauen". Ich spürte in die Ohnmacht einer Frau, die an der sexuellen Anziehungskraft verlor und nie wieder berührt wurde. Ich spürte ihre Verbitterung. Ich spürte in den Schmerzen meiner Mama: "Der Vater hat so eine Löwen-Kraft, wenn er mich massieren würde, tut alles weh, ich kann mich nicht entspannen."  Ich spürte in diese riesige Kluft zwischen den Geschlechtern. Es kann einem so übel dabei werden.

Heute bin ich auch bereit in die männlichen Schicksale in meiner Familie rein zu fühlen. In den Schmerz meines Vaters, der eine sehr lange Zeit ebenfalls in die Ohnmacht verfiel, als seine Frau an der sexuellen Anziehungskraft für ihn eingebüsst hatte und doch an ihrer Seite geblieben. Auch in den Schmerzen meines Opas kann ich heute rein fühlen, der seiner Frau mit vier Kindern ein gutes Leben durch hartes Arbeiten ermöglichte und sich ohnmächtig  angesichts der weiblichen Dramen zu Hause fühlte.

Wenn ich heute in mich rein spüre, bin ich sehr dankbar darüber, dass die Zeiten sich geändert haben. Dass ich heute mit solchen großen Themen Raum finden kann, wo ich Fragen stellen und Antworten finden kann. Antworten, die meinen Vorfahren noch nicht zur Verfügung standen, die jedoch durch ihre Erfahrungen das Feld bereits mit viel Energie gefüllt hatten, so dass ich bloß reinführen konnte.

In der Tantramassage habe ich einen Ort auf dieser ganzen Erde vorgefunden, wo Zuwendung unabhängig von der Anziehungskraft des Einzelnen gespendet wird, aus Glücksseeligkeit, Barmherzigkeit, tief aus der menschlichen Natur, die nach Liebe austeilen strebt. Ich erlebte das so heilsam für mich, für die anderen. Danach hat meine Seele soooo lange gesucht.


Heute habe ich keine soooo große Angst vor der sexuellen Anziehungskraft bzw. davor an der sexuellen Anziehungskraft zu verlieren. Denn die Lebenslust verschwindet nicht, sie wandelt sich nur Und derzeit entdecke ich die Herzenslust. So schließe ich nach und nach Frieden mit meiner eigenen Sexualität, die inzwischen nicht nur die wilden, sondern auch die zarten, stillen Seiten entwickelt hatte.







Freitag, 4. Januar 2019

Qualitätskriterien in der Tantramassage

Was ist eine gute Tantramassage für mich?

Sehr lange habe ich mich mit dieser Frage aus einander gesetzt. Sehr sehr lange. Und je länger ich die Antworten gesucht habe, desto einfacher wurden sie.

Eine gute Tantramassage eröffnet und hält einen NEUTRALEN Raum für eine GANZHEITLICHE BEGEGNUNG mit dir selbst.

Ich erläutere GANZHEITLICH. Ich sehe den Menschen als ein Raumwesen, in dem alle vier Elemente, die wir hier auf der Erde erfahren können in einem ganz individuellen Mix- Potenzial  vorhanden sind.

Das Element Erde - die Entspannung, die Ruhe,  das Vertrauen, die Geborgenheit.
Das Element Wasser - die emotionale Seite, die sexuellen Wünsche, die Anziehungskraft, die Abstoßungskräfte, die Energien
Das Element Feuer - der Wandel, die Fähigkeit, dem Widerstand nachzugeben, die Ausdauer Zeit und Energie zu investieren, wo Erfolg sich nicht sofort einstellt, die Resilienz
Das Element Luft - der Humor, die Leichtigkeit, das Spielerische, die Kommunikation, Verstehen, die geistige Flexibilität
Der Raum - die Stille, Wissen, Leere, das Empfangen, die Gnade, der göttliche Sinn, die göttliche Verbindung

Für den Gebenden ist es wichtig, die Zeit der Begegnung so zu gestalten, dass er/sie in diese verschiedenen Energien selbst eintaucht und den Empfänger einlädt, ihm /ihr in diese Energien einzutauchen. Ob es gelingt, alle Elemente in der Massage tatsächlich zu „ erleben“, hängt jedoch auch davon ab, wie weit der Empfänger zu empfangen bereit ist.

Ich erläutere NEUTRAL. Bei der Begegnung stellt sich heraus, in welchem Element der Empangende zu Hause ist und welches Element Schwierigkeiten bereitet etc. Die Aufgabe der Masseure ist in diesem Fall den persönlichen Mix des Empfängers wohlwollend zu empfangen, nichts verändern zu wollen, nichts zu bewerten, sondern wertschätzende und verehrende Haltung beizubehalten, respektvoll mit der Integrität ( Erfahrung) , mit dem freien Willen des Empfängers umzugehen, sich für die Elemente innerlich zu öffnen oder aber auch zunächst die Info darüber zu bekommen, wo man gerade steht und was man für den nächsten Schritt braucht. Es geht lediglich um eine Begegnung mit allen Elementen.

Die „Pseudo-Tantramassagen“, die lediglich auf dem einem Element "Wasser", die emotionale Seite - bauen, verfehlen aus meiner Sicht die Qualitätskriterien der Ganzheitlichkeit und der Neutralität der Begegnung. Es sind keine authentischen Begegnungen, und darauf bedacht den Kunden zu befriedigen, nicht seine Kompetenz zu erweitern.  Jedoch handelt es sich hierbei nicht um Pseudemenschen 😀. Solche Studios haben ihr Berechtigungsdasein und erfüllen auch ihren Sinn und dienen somit auch der Gesellschaft. Denn dort machen die realen Menschen auch ihre reelen Erfahrungen und Lernprozesse mit dem Element Wasser. Ich hatte schon einige Anfragen an Tantramassage aus der Szene. Immer habe ich die Menschen dann gefragt:" Warum bist du dort nicht Stammkunde geblieben? Was fehlt dir? "

Ich weiß, dass ich mich hier ganz weit aus dem Fenster lehne, aber ich denke, so lange die Menschen , die diese Massagen anbieten und in Anspruch nehmen , damit glücklich sind, sollte man auch diese Szene schützen als relativ sichere Erfahrungsräume.





Dienstag, 25. Dezember 2018

Herz, Körper und Kopf verbinden

Fall1:
Ich erzähle zunächst einige Fälle aus meiner Praxis. Eine Frau kam zu mir und sagte mir, sie hätte zwar einen Orgasmus in einer Tantramassage vor einigen Jahren bekommen, aber in der Seele ist sie nicht berührt worden. Das war einfach flach.

Fall 2:
Ein Mann erzählte mir, dass er zwar bereits mehrere Tantramassagen bekommen hat, aber lediglich einen Orgasmus während einer Massage erreichen können. Er wirkt ein wenig verunsichert dabei.

In dem alten Lehrwerk Kamasutra stand geschrieben: Wer alle drei Bereiche des Lebens verbunden hat, der hat die Meisterschaft und die Erlösung erreicht. Und diese drei Bereiche sind: die Freude des Körpers (Gesundheit), die Freude des Herzens ( Liebe) und die Freude des Verstandes (Wissen)- und das soll mit einander zusammen spielen.

Zu Fall 1:
Die Frau hat offensichtlich einen Orgasmus rein auf der körperlichen Ebene erlebt. Dieser Orgasmus ist zwar ein 5 Minuten- Vergnügen, leert aber auf Dauer ihre weibliche Seele, denn sie begehrt eine aufrichtige emotionale Verbindung, allen voran ihre eigene Verbindung zwischen ihrem Herzen und ihrem Geschlecht. Für diese Frau ist es entscheidend, viel Ruhe und Kommunikation (!!!) in die Begegnung rein zu bringen, Elemente Luft und Raum zu erleben.

zu Fall 2:
Für viele Männer ist es bereits eine große Herausforderung eine Intimmassage ohne Erektion zu erleben, oder ohne den Höhepunkt. Es kommen Selbstzweifel an der Männlichkeit hoch, mit denen die Männer erst umzugehen lernen. Schritt für Schritt entkoppeln sich die Erektion und Orgasmus von dem Selbstbild als Mann. Es ist vergleichbar, wie viele Frauen zutiefst an ihrer Weiblichkeit zweifeln und sich den Wettbewerben (wer ist schöner, wer hat eine sanftere höhere Stimme etc.) ausliefern, wodurch sie noch viel mehr sich von sich selbst entfernen. Auch in diesem Fall gilt es die Elemente Luft und Raum zu erleben.

Tantra lehrt wahre Verbindung, zunächst zu sich selbst, und dann zu den Mitmenschen. Die Menschen wollen die Sexualität als Einheit zwischen dem physischen Erleben, emotionalen und kognitiven Erleben leben. Und dafür brauchen wir unseren Geist befreien, unseren Körper erwecken und unser Herz öffnen.





Mittwoch, 19. Dezember 2018

Erotik in der Tantramassage


Die Erotik ist ein politisches und zugleich ein zutiefst intimes Thema jeder Beziehung und jedes Lebens. Das ist das Zentrum jeder Beziehung und das Zentrum jedes Staates:) Was erotisieren wir Menschen? Was wirkt auf uns anziehend? Das Neue. Wie können wir wirklich etwas Neues erfahren, nur durch unsere Sinne. Also bereit zu fühlen?

"Eros entspringt unserem unbewussten Wissen um die Einheit aller Dinge und der Sehnsucht, diese durch Verbindung wiederherzustellen" (Quelle : Königin und Samurai" S. 182
Die Erotik ist zu tiefst menschlich, wir wollen uns verbinden und sehnen uns danach, was uns fehlt, welche Erfahrung wir uns herbeisehnen. In unserer aktuellen Gesellschaft, dominiert durch Logos, fehlt die Erotik an jeder Ecke. Die Menschen sind getrennt von ihren Gefühlen und so sind sie auch getrennt von den Dingen, die sie umgeben (von ihrem eigenen Körper, Familie, Eltern) werden nur oberflächlich wahrgenommen, doch die innige Verbindung, das Verstehen , das Sehen in erster Linie sich selbst, einander, das Mitfühlen von einander, das bleibt dem modernen Menschen oft ein Rätsel und wird derzeit noch nicht in den Schulen thematisiert.

Der unbewusste Eros sucht in allem nach Schönheit, nach Lustvollem,  Gutem , nach Verbindung. Ein erwachter Eros durchschaut die Dinge und erkennt die Vollkommenheit der Dinge  in jedem Wesen im Hier und Jetzt.

Ich fand es sehr hilfreich für mich die vier Stufen der Entwicklung des Erotischen in uns , wie im Buch "Königin und Samurai" von Veit und Andrea Lindau beschrieben

Stufe 1
Das Kind erlebt die Schönheit, die Verbindung durch die Mutter. Wie eine magische Verlängerung des sich Selbsts erfüllen die Mutterhände seine unausgesprochen Wünsche, reichen Nahrung, schenken Geborgenheit, trösten, waschen, umsorgen. Auch viele Frauen wollen unbewusst immer und immer weider schwanger werden, um dieses Paradies der Einheit mit einem anderen Wesen nochmals und nochmals zu erleben.
Nun habe ich persönlich und viele moderne Menschen unter uns das Paradies durch die Mutter "bestellt" aber nicht bekommen:). In der tiefen Auseinandersetzung mit der Weiblichkeit erkannte ich, dass mir die Wertschätzung des Weiblichen gefehlt hatte. Die Ruhe, das Vertrauen, die Hingabe an den Moment, an Hier und Jetzt, das Empfangen, so wie es ist, habe ich erst durch die Tantramassage erlernt. In vielen vielen Sitzungen holte ich mir und spendete den anderen diese mütterliche bedingungslose Zuwendung.


Stufe 2

Die Sehnsucht nach Einheit wird fortgesetzt durch die Anziehung zu dem Gegengeschlecht oder dem gleichen Geschlecht, je nachdem was fehlt. In unserer Kultur werden diese Anziehungskräfte verteufelt und unterdrückt. Die Tantramassage lehrt uns jedoch diese Kräfte wohl wahrzunehmen , anzuerkennen und die Wucht der Sehnsüchte in die eigene Mächtigkeit umzuwandeln. Ich erlaube mir durch diesen gelernten Umgang seit geräumiger Zeit mich immer wieder neu in fremde Männer und Frauen zu „verlieben“. Als Erstes wird dieser Impuls von mir als Erotik empfunden (als Begehren, Anziehen) das, was mir noch fehlt. In Ruhe spüre ich dieser Anziehungskraft nach. Was zieht mich an diesem oder jedem Mann/ Frau  an? Und nach und nach , wenn man es zulässt, gewinne ich die Erkenntnis, was ich denn in mir selbst trage und entwicklen möchte, welchen Anteil von mir hat dieser Mann , diese Frau angesprochen. So werde ich permanent vom Leben an die Kräfte und Werte erinnert, die ich noch begehre, denen ich noch nicht begegnet bin. Viele Männer haben mich zum Beispiel total inspiriert, wie unbeirrt sie das Ziel erreichen können ohne sich zu verstreuen. Und ja, auch ich will Ziele erreichen und in mir die Selbstdisziplin der Konzentration stärken. Und zum Glück bin ich auch Männern begegnet, die durch ihre weibliche Art die Seele zu besänftigen mich dermaßen beeindruckt haben, dass es mir leicht gemacht hat, meine Männlichkeit anzunehmen.
In der Tantramassage habe ich es erkannt, wie ich dem eigenen Geschlecht oder dem Gegengeschlecht wertschätzend entgegen treten kann, wie der Austausch nicht aus der Angst oder aus dem Mangel (gib mir, was mir fehlt), sondern aus der Fülle (ich teile und tausche, wovon ich selbst zu viel habe) erfolgen kann. Und ich habe viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede entdeckt.


Stufe 3

Die zwischenmenschliche Liebe, hier wird Eros in den Partnerschaften (einander unterstützen), in der Familie, zwischen den Eltern und Kindern, in den Freundschaften gelebt. Verbindung, in einander Einfühlen, Mitfühlen, einander verstehen, sich zeigen.
Die Schamgefühle, die Schulgefühle, die Minderwertigkeitsgefühle, die Angst sich zu zeigen, die Akzeptanz der eigenen Stärken und Schwächen, alles in Einem - die wahre Authentizität , die Selbsterkenntnis zu leben. Das alles verdanke ich mitunter auch dem geschützten Raum der Tantramassage. Und wenn ich selbst authentisch bin, so gestalten sich meine Beziehungen authentisch und meine Mitmenschen werden von mir darin unterstützt, ihre eigene Authentizität zu leben.


Stufe 4

Die Familie dehnt sich immer mehr über die eigentliche Familie aus. über die Nationalitäten und Eros wird zu einer allumfassenden Liebe, In Europa funktioniert die Gesellschaft bereits in vielen Punkten nach gerade diesem Prinzip, die soziale Versorgung, die Kinderrechte sind große Errungenschaften und gingen Hand in Hand mit der Entwicklung des Logos einher.
In der Tantramassage unternehmen die Pioniergeister den Versuch, der derzeit von mir auch als mehr und mehr realistisch erlebt wird, diese vierte Stufe im Leben tatsächlich zu manifestieren und die persönliche erotische Entwicklung des Menschen  in den kritischen Punkten mit der Verlegung der Aufmerksamkeit von außen nach innen zu unterstützen. Ich erlebe es für mich jedes Mal als sehr bereichernd eine klare Struktur der Begegnung zu haben (die Sicherheit: kein Geschlechtsverkehr, die Einseitigkeit: es gibt keinen Austausch der Berührungen, die Langsamkeit: der freie Wille darf sich entfalten, bewusstes Wahrnehmen wird unterstützt). Es wird ein Raum geöffnet und gehalten, wo wir wachsen können. Wo alle widersprüchlichen Gefühle, Sehnsüchte gesehen, anerkannt, verstanden werden dürfen. Durch meine Beratungsgespräche unterstütze ich den Menschen mit meinem scharfen Geist in seinem Selbst-Erkennen.








Dienstag, 18. Dezember 2018

Werte in der Tantramassage

So ein wichtiges Thema - welche Werte vertrete ich in der Tantramassage?


  • Die Tantramassage ist immer eine Begegnung nicht nur zwischen zwei separaten Menschen, sondern zwischen zwei WELTEN, zwei KOSMOS-EINHEITEN zwecks gegenseitiger Entwicklung und Bereicherung, um die universelle Harmonie zu bewahren.

  • Die Begegnung hat so zu erfolgen, dass es beiden, dem Massierenden und dem Empfangengen zum besten Wohle dient, und zur Entwicklung ihres Potenzials beiträgt. Dafür tragen beide die Verantwortung, der Massierende übernimmt jedoch die Führungsrolle der Gestaltung der Begegnung und die Einhaltungen der sinnvollen Grenzen der Kompetenzen sowie der Einhaltung der Grenzen des Rituals (die Einseitigkeit , die Konzentration auf sich selbst).

  • Die Tantramassage unterstützt den Empfänger in der Selbsterforschung und der Selbstentwicklung. Das heißt: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Warum bin ich hier? Wo bin ich jetzt? Was will ich mehr werden? Was fehlt mir? Was ist mir wichtig? Was brauche ich?

  • Auch der Gebende wird herausgefordert und gefördert in den Fragen: "Wie begleite ich die Person in der Selbstentwicklung? Wie kann ich an meiner präsenten, neutralen, mitfühlenden Haltung bleiben? Wie wirke ich, lebe ich meine Werte selbst vor? Welchen Rhythmus habe ich zu beachten?

  • Alles strebt nach Ausgleich. Der Ausgleich findet jedoch nicht in der selben Form statt, sondern auf der Metaebene z.B. durch Dankbarkeit und Anerkennung. Der Massierende hat eine strenge Selbstfürsorge zu betreiben. Aufgrund dieser guten Selbstfürsorge ist er in der Lage, sich in den Dienst des Lebens des anderen Menschen zu stellen (nicht des Egos). Er ist weiterhin für seine eigene berufliche Entwicklung selbst verantwortlich, da er versteht, dass er die Kunden nur bis dahin begleiten kann, wo er selbst hingedrungen ist. 

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Das Beratungsgespräch



Was ist die wahrhaft schöne, gesund machende, realistische Sexualität?
Wenn ich mich selbst oder meine Massagegäste im Beratungsgespräch frage: "Was begehrst du?", wird oft diese Frage verwechselt mit "Worauf habe ich Lust?". Da kommen dann solche Antworten wie: Ich habe Lust, dass eine schöne oder erfahrene Frau mich berührt.  Oder von Frauen: Ich will von einem Mann berührt werden. Ich will von einer Frau eine Massage bekommen. Da hacke ich genau ein, denn die falsche Fährte hat kein Ende. Gerade in der Bewusstwerdung liegt der Schlüssel zur Eigenmächtigkeit. Und hier beginnt unsere gemeinsame Forschungs- bzw. Übungsarbeit: eine Verbindung zwischen dem Kopf (verstehen), dem Herzen (den Sehnsüchten) und dem Körper (der Realität) herzustellen und zu leben. 

Beispiele der stattgefundenen Beratungsgespräche:
- Was begehrst du an der Berührung durch einen Mann?.
- Ich will mich als Frau von ihm begehrenswert fühlen. 
- Und warum bist du begehrenswert?  Hast du es schon erfahren? Willst du es wissen?
******************
- Warum glaubst du, dass eine schöne Frau dich gut berühren kann?
- Welche Gefühle würde eine schöne Frau durch die Berührung dir vermitteln können? Warum würde eine schöne Frau dich berühren wollen?:)
- Was macht eine schöne Berührung aus? Hast du solche Gefühle schon erfahren?
******************
- Sind es die so genannten Erektionsstörungen, die ich habe?
- Darf ich dich was fragen?
- Ja.
- Bitte aus dem Herzen antworten. Begehrst du jetzt ernsthaft mit 73 Jahren noch ein Unternehmen zu gründen? Oder eine Frau zu erobern?
- Neeee. (lacht)
- Und warum soll das jetzt eine Störung sein? Wen stört's denn? :)))

Freitag, 5. Oktober 2018

Die Sicherheit - das oberste Gebot

Ich habe die Erfahrung gemacht, je mehr und offener, detaillierter  ich den Ablauf  der Tantramassage beschreibe, desto mehr können meine unerfahrenen Gäste sich orientieren, entspannen und erkennen, was sie wahrlich brauchen. Mein oberstes Gebot in der Tantramassage ist ein Raum der absoluten Transparenz zu kreieren, denn die Transparenz gibt uns Sicherheit und die Sicherheit erlaubt es uns zu entspannen.


Die erste große Leistung: der erste Kontakt. Die Tür geht auf und beide- der Gast und ich- begegnen uns und unseren Programmen. Es melden sich die unbewussten Programme und wollen angeschaut werden. Worauf ist mein erster Blick gefallen? Was habe ich als Erstes wahrgenommen? Welche Gefühle sind hochgekommen? Das ist die Wahrnehmung, Und nun kommt die Selbstregulation: Wie bin ich damit umgegangen? Habe ich meine Gefühle auf den Anderen projiziert? Hat mein Unterbewusstsein  das Gegenüber bereits eingeordnet ,in eine Schublade gesteckt?

Das ist so leicht, in diese Falle reinzutappen. Ich selbst muss mich stets von solchen Programmen befreien. Wenn z.B. ein gut aussehender Mann die Praxis betritt, und auf den ersten Blick total selbstsicher wirkt ,so  gingen bei mir die Gedanken früher in die Richtung: Oh mein Gott, ich habe es nicht verdient, solch einen Mann zu massieren. Ich versage bestimmt.

Heute weiß ich, dass solche ersten Eindrücke tatsächlich sehr wenig mit dem Inneren des Menschen zu tun haben. Mein allerbester Masseur ist ein alter Mann mit wenig Haaren auf dem Kopf, einer schlappen Haut, aber was für einem großen Herzen!!!!!!!! Er kann mir so viel Mitgefühl schenken und mich mit so viel spielerischer Präsenz begleiten, ihn schrecken meine inneren Drachen nicht ab. Er bleibt! Auch bei meinen Massageempfängern mache ich mich im Inneren frei von Einordnen des Menschen und sehe nicht mit den Augen, sondern mit meinen Händen und meinem Herzen.

Ich kenne all diese unbewussten Programme, die unser Bewusstsein überfluten, wenn man die Tantramassage kennenlernt. Verurteile ich mich selbst für meine offenen Wünsche und Bedürfnisse, oder kritisiere ich mich selbst für meine Inkompetenz jetzt zu entspannen? Bin ich total euphorisch, dass ich mich selbst dabei übersehe und nur noch in meinen unrealistischen Vorstellungen abhebe?

Das Vorgespräch - den Anfängern so viele Infos wie nötig geben

Das Vorgespräch dient dazu, den Kontakt zu Hier und Jetzt herzustellen. Früher habe ich solche Fragen gestellt wie: Was führt Sie/dich zu Tantramassage? Welche Wünsche haben Sie? Welche körperlichen Regionen bedürfen besonderer Aufmerksamkeit? Was brauchen Sie um sich fallen zu lassen? Und habe erst nach einer Weile verstanden, dass meine unerfahrenen Gäste genauso wie ich früher eine Unterstützung damit brauchen, diese Fragen zu beantworten und dass sie diese Fragen noch mehr desorientiert haben. Das ist selten in unserer Gesellschaft, dass die Menschen so sehr in der Selbstwahrnehmung verankert sind, dass sie solche Fragen auf Anhieb beantworten können. Die Selbstwahrnehmung wurde in unserer Kindheit nicht unterstützt und muss jetzt wieder erlernt werden. Daher beginne ich heute ganz anders. Ich beschreibe erstmal im Detail wie solch ein Berührungs-/ Verehrungsritual abläuft und welche Energien darin sich entfalten können. Ich sage auch, welche Reaktionen kommen können und das sind auch vollkommen in Ordnung sind, weil sie zum Prozesse der Bewustwerdung dazugehören.  Ich zeige das Tuch, wie man es wickelt. Ich zeige oft die Praxis, das Bad, den Stuhl, auf dem man die persönlichen Sachen ablegen kann.

Wie läuft eine Tantramassage ab?

Das ist ein Ritual mit festgeregeltem Ablauf. Daran habe ich mich als Masseurin und du dich als Gast festzuhalten. Wir besprechen vorher den Ablauf. Wir beginnen im Stehen mit einer Begrüßung und Verehrung. Es muss erst herausgefunden werden, ob ein Augenkontakt die Entspannung fördert oder überfordert. Was auf jeden Fall wichtig ist, ist die Atmung. Und wir geben uns ausreichend Zeit einfach zum Atmen. Durch die Nase langsamst rein und den den offenen Mund aus. Dann werde ich dich einladen, damit zu beginnen dich selbst wahrzunehmen. Wir spüren die Füße, die Beine, das Becken, den Brustraum, den Rücken, den Kopf und den ganzen Körper. Ich lade dich ein deine Aufmerksamkeit ganz der Berührung zu schenken.

Die Kommunikation in der Massage

Ich lade dich dazu ein, es auszusprechen, wenn du der Berührung nicht folgen kannst, D.h. es tun sich gerade alte Erinnerungen auf und es bedarf des Innenhaltens. Oder wenn z.B. wenn du merkst, dass du die Berührung nicht fühlst. Bei mir selbst war das eine lange Zeit so, dass ich nur kräftige Berührungen annehmen konnte, und die ganz zärtlichen, sanften waren an mir "SINNLOS" vorbei gegangen. Das nennt sich in der Fachsprache: sensomotorische Amnesie. Wir spalten aus verschiedenen Gründen manche seelischen Anteile von uns ab und damit aber auch schalten wir in unserem Körper bestimmte Rezeptoren aus und sind dann tatsächlich nicht mehr in der Lage manches zu fühlen. Das erkläre ich den Klienten auch, damit sie es einordnen können, falls ihnen das passieren kann.
Mein Bestreben ist es dir zu signalisieren, dass ich dich gesehen, gefühlt, verstanden , angenommen habe. Natürlich ist das selbst innerhalb der längsten Tantramassage nicht möglich, aber ein Teil davon ist mein Ziel.

Das Nachgespräch (wenn gewünscht).

Oft fliehen meine Massageempfänger nach solch einer Offenbarung zu sich selbst einfach nach Hause. Das ist auch völlig in Ordnung, denn jedenfalls ist das keine gewöhnliche Situation, die wir so gut kennen. Aus meiner Erfahrung wirkt die Tantramassage in der Seele noch lange Zeit nach. Es wird neu sortiert, gewichtet, geordnet. Was hat dir gut getan? Kann das sein, dass du z.B. die kräftige Berührung am Rücken als nicht wohltuend wahrgenommen hast? War der Augenkontakt hilfreich um zu entspannen oder hinderlich? Was hast du vermisst? Und was hat gut getan? Was habe ich gefühlt? Wie gehe ich mit solchen Gefühlen um? Mit unangenehmen, mit abwesenden, mit angenehmen Gefühlen?